Resümee der Gastro-Lohn Initiative

Seit 2014 beteiligen wir uns an der Gastro-Lohn Initiative Hamburg, deren Resümee wir hier dokumentieren.

2014 beschloss die Gastro-Lohn Initiative die Löhne und Arbeitsbedingungen in der Hamburger Gastronomie zu untersuchen. Die Idee zur Gastro-Lohn Initiative haben wir vom „Lohnspiegel Szene-Kneipen“, den die IWW Köln 2013 in Punkrock- und Alternativkneipen durchgeführt hat. Die aus ihren Untersuchungen gewonnene Erkenntnis, „dass die Mehrzahl der Läden ihren Beschäftigten weniger Stundenlohn zahlt, als es selbst streng sozialpartnerschaftlich orientierte Weichspüler fordern“, hat uns dazu angeregt, eine ähnliche Initiative in Hamburg zu starten.

Viele radikale Linke arbeiten auf absehbare Zeit in schlecht bezahlten, befristeten Jobs, die kaum soziale Absicherungen bieten. Trotzdem spielen die eigenen Arbeitsverhältnisse in der politischen Praxis fast nie eine Rolle. Die Suche nach gemeinsamer Organisierung gegen Leistungszwang und Chefs, die weder Urlaub noch Krankengeld bezahlen, sind allerdings im Interesse aller, die sich nicht über den Tisch ziehen lassen wollen. Die Idee, durch einen Lohnspiegel die Arbeitsbedingungen in Kneipen und Restaurants zu thematisieren und uns über die eigenen Arbeitsverhältnisse auszutauschen, schien ein vielversprechender Ansatz zu sein.

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Kommt ihr mit in den Alltag?

Eine praktische Kritik an der Interventionistischen Linken und ein Mutmacher zum Andersmachen. 

Zwei Genoss*innen fragten sich in der arranca! #48, warum wir neben der Arbeit in Basisinitiativen noch eine IL brauchen. Wir wussten es im Sommer 2014 auch nicht mehr und sind deshalb nach sieben Jahren aus der Interventionistischen Linken (IL) ausgetreten. Klar, die IL ist stark darin, Demonstrationen zu organisieren, Bündnisse zu schmieden oder medienwirksame Aktionen durchzuführen. Beim Anbahnen und Führen sozialer Kämpfe rund um Wohnraum, Arbeit und Prekarität stand sie uns allerdings eher im Weg.

Wir waren hauptsächlich damit beschäftigt, Gremien zu besetzen, Bündnistreffen zu besuchen, bei Demonstrationen und Kampagnen zu unterstützen, Projekte anderer Arbeits- und Ortsgruppen abzunicken und eigene Projekte im Plenum zu präsentieren. Soziale Kämpfe wurden zu einer Nebenbeschäftigung. Was dsan1 in der arranca! #48 vermutet, wurde für uns zur Gewissheit: Wir führen soziale Kämpfe nicht wegen, sondern trotz unserer Mitgliedschaft in der IL. Kosten und Nutzen standen in keinem vernünftigen Verhältnis mehr.

Raus aus dem Hamsterrad Eine Organisierung gegen die Angst

Was wir eigentlich wollten, war eine Praxis, die Leistungszwang, Armut und Ausgrenzung angreift und solidarische Alternativen entwickelt. Eine Organisation, die durch Selbstorganisation und direkte Aktion die Probleme ihrer Mitstreiter*innen löst. Ein Projekt, in dem wir kontinuierlich unsere Konflikte diskutieren und analysieren können, um unsere Angst zu verlieren und das Kämpfen im Alltag zu erlernen.

Wir begannen zu überlegen, welche Strukturen wir hierzu schaffen müssen. Was bedeutet es konkret den Widerstand im Herzen der Bestie zu organisieren? Welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein und welche Denkweisen und Überzeugungen überprüft und eventuell abgelegt werden? Was hält uns davon ab, Widerstand zu leisten?

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…and the law won

Ende Januar wurde das erste Mal seit langem wieder gegen eine Zwangsräumung in Hamburg protestiert. 200 Unterstützer_innen belagerten an einem regnerischen Montagmorgen Hauseingang und Treppenhaus der Wohnung von Heiko G. im Wilhelmsburger Reiherstiegviertel. Sie konnten gegen ebensoviele Einsatzkräfte der Polizei den erzwungenen Auszug jedoch nur um 90 Minuten hinauszögern. Die Genossenschaft „Bauverein Reiherstieg“ hatte einen Gerichtsbeschluss gegen Heiko erstritten, nachdem er mehrfach seine Miete unpünktlich überwiesen hatte. Dem Richter genügte das, um ihn nach 15 Jahren gewaltsam aus seinem Zuhause zu vertreiben. Offensichtlich wollte der Vorstand des Bauvereins ihn vor allem wegen seines Einsatzes gegen Mieterhöhungen und seinen unbequemen Fragen bei den alljährlichen Mitgliederversammlungen los werden. Die Räumung ist somit auch als Signal an die übrigen 1.6oo Genossenschaftsmitglieder zu verstehen, es mit der Forderung nach Mitbestimmung nicht zu übertreiben.

In Wilhelmsburg zeigte sich, dass sich Polizei und Justiz in Hamburg jederzeit gegen eine Blockade, die zum Großteil von der linken Szene getragen wird, durchsetzen kann. Allein die Mobilisierung möglichst vieler Menschen reicht ohnehin nicht aus, um Zwangsräumungen zu verhindern. Selbst in Berlin, wo die Bewegung ein vielfaches stärker ist, können erfolgreiche Blockaden den Wohnungsverlust höchstens hinauszögern. Spätestens beim zweiten oder dritten Anlauf wird die Räumung durchgesetzt.

Räumungen müssen also politisch verhindert werden. Entweder reichen die paar Wochen zwischen erfolgreicher Aktion und erneutem Räumungstermin, um Vermieter_innen zum Einlenken zu bewegen. Oder es kommt gar nicht so weit, dass sich den Uniformierten massenhaft in den Weg gestellt werden muss. Direkte Aktionen und die Ankündigung von Blockaden im Vorfeld reichen aus, weil die Angst um das soziale Image und vor der Bekanntmachung dubioser Geschäftspraxen überwiegt. Außerdem bedeuten Proteste Überstunden und häufig auch Mehrausgaben. Ist der öffentliche und finanzielle Druck hoch genug knickt die Gegenseite ein. Dies gelingt bei städtischen oder genossenschaftlichen Immobilien übrigens weitaus häufiger als bei Wohnungen von Privatpersonen.

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