Sechs Thesen über die Angst, warum sie effektiv Militanz verhindert und eine mögliche Strategie zu ihrer Überwindung

Alle haben ständig Angst. Angst vor Terrorismus. Angst vor Migrant_innen. Angst vor Epidemien. Aber eben auch: Angst, nicht mehr mithalten zu können im Hamsterrad. Angst vorm Jobverlust. Angst vorm Versagen. Diese Ängste sind das öffentliche Geheimnis unserer Gesellschaft, so das „Institute for Precarious Consciousness“. Dass die Angst strukturelle Ursachen hat, muss ausgesprochen werden, damit wir Gegenstrategien entwickeln können. Ihr Vorschlag: Mit der Analyse unserer alltäglichen Erfahrungen beginnen, denn nur so werden wir herausfinden, wie wir den Kapitalismus gemeinsam überwinden können.


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Zeit, Arbeitsdisziplin und Industriekapitalismus

Die Entstehung des Kapitalismus ist eng verknüpft mit der gewaltsamen Durchsetzung eines neuen Zeitempfindens. So konnte eine neue Form der Arbeitsdisziplin entstehen, die mittlerweile verinnerlicht wurde, damals aber der Bevölkerung gegen ihren Willen anerzogen werden musste. Seitdem heißt es „Zeit ist Geld“, womit selbstverständlich das Geld des Chefs gemeint ist. Der marxistische Sozialhistoriker E.P. Thompson resümiert in seinem 1967 veröffentlichten Aufsatz: „Der ersten Generation der Fabrikarbeiter wurde die Bedeutung der Zeit von ihren Vorgesetzten eingebleut, die zweite Generation kämpfte in den Komitees der Zehn-Stunden-Bewegung für kürzere Arbeitszeit, die dritte schließlich für einen Überstundenzuschlag. Sie hatten die Kategorien ihrer Arbeitgeber akzeptiert und gelernt, innerhalb dieser Kategorien zurückzuschlagen. Sie hatten ihre Lektion – Zeit ist Geld – nur zu gut begriffen.”

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E.P. Thompson: Zeit, Arbeitsdisziplin und Industriekapitalismus (1967)